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Montreal 2.2.09 Irgendwie hat uns der Flug von Calgary nach Montreal den ganzen Tag gekostet, da zu den über vier Stunden Flug zwei weitere durch die Zeitzonen verloren gingen, aber schon nach wenigen Momenten in der Stadt hat man so ein ganz heimisches Gefühl. Die Straße, an der das Theater La Chapelle liegt, könnte auch in Berlin liegen. Endlich mal wieder ein Stadtviertel, in dem Menschen wohnen, wo es jede Menge kleine Geschäfte gibt und natürlich alle ethnischen kulinarischen Genüsse, die das Herz begehrt. Eine kleine Fußgängerzone zwischen Hotel und Theater rundet das Bild ab. Das Hotel ist verwinkelt und schnuckelig und wir haben das Gefühl in Europa zu sein. Hier ein Bild von unserer Unterkunft.
Wir gingen dann in ein Restaurant und wurden dann vom Kellner darauf aufmerksam gemacht, dass wir unsere eigenen alkoholischen Getränke mitbringen können. Als wir dann feststellten, dass es im Restaurant auch keine zu kaufen gab, sind einige von uns in einen nahegelegenen Supermarkt gegangen, um Bier und Wein zu kaufen. Ich fand es sehr ungewöhnlich, dann ins Restaurant zu gehen, mit Plastiktüten bepackt, um dann seinen eigenen Wein auf den Tisch zu stellen, der dann wiederum vom Kellner entkorkt wird. Das war wirklich komisch. Es soll mehrere solcher Restaurants in diesem Viertel geben. Siegmar
Montreal 7.2.09 Wir haben hier in Montreal tatsächlich wieder ein Publikum, das sich europäisch verhält. Es wird wieder an den "richtigen" Stellen gelacht, was bei "Body Fragments" ca. fünf Mal vorgesehen ist. Aber auch das Montrealer Publikum ist sehr angetan von unserer Arbeit. Es wird uns vermittelt, dass diese Präzision auf der Bühne und Perfektion in der Umsetzung auch hier selten zu sehen ist. Wir haben hier diesmal einen viertägigen Workshop durchgeführt und haben gestern eine kleine öffentliche Demonstration der Arbeit gezeigt. Wir stellen immer wieder fest, dass wir nach 25 Jahren tatsächlich eine Menge zu vermitteln haben und dass es einen großen Bedarf nach neuen Impulsen gibt. Heute zeigen wir noch einige Videobeispiele aus 25 Jahren und dann kommt die letzte Aufführung in Montreal. Dann haben wir aber wieder ein paar Tage frei und das lohnt sich hier. Ich werde mal sofort Nachforschungen anstellen, wie ich zu einer Eishockeyausrüstung komme und mich dann ins Getümmel stürzen. Siegmar
Montreal, den 8.2.09 Die dritte Aufführung war auch hier die beste. Das Publikum war begeistert und unsere Gastgeber loben uns in den höchsten Tönen. Wir waren dann noch zusammen essen, um den Erfolg zu feiern und haben wieder neue Freunde gewonnen. Ich bekomme so langsam den Eindruck, dass dies nicht unsere letzte Kanadatour war. Ich hätte nie gedacht, dass es so viel Interesse an unserer eigenwilligen Arbeit gibt. Aber wir sind gerade mit dem richtigen Stück zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Und das war in den vergangenen 25 Jahren nicht immer so. Aber im Augenblick stimmt die Resonanz.
Ich höre gerade vom anderen Ufer des Atlantiks, dass die deutsche Botschaft in Belgrad ein weiteres Theaterexperiment mit Plavo Pozoriste finanzieren will. Das passt uns gut, denn dann ist das Gleichgewicht wieder hergestellt, denn in Serbien kommen die Raucher wieder voll auf ihre Kosten. Da wird überall geraucht, auch dort, wo es verboten ist und man muss schon morgens mit den Bühnenarbeitern Slibovic trinken. Schön, dass die Welt so unterschiedlich ist und dass wir in so unterschiedlichen Ländern spielen dürfen. Siegmar
Montreal, 9.2.09 Die Abhängigkeit vom Internet ist mittlerweile extrem, das merke ich jetzt besonders, weil hier im Hotel das System zusammengebrochen ist. Ich bin ohne drahtlosen Zugang zur Welt völlig verloren. Die ganze Kommunikation mit unserem Büro, meine elektronischen Briefe und das Bildtelefonieren, an das ich mich auch schon gewöhnt habe, alles geht von meinem kleinen Laptop aus. Einen kleinen Film übers Eislaufen schneide ich darauf, die Photos werden darauf gespeichert und von da aus wird alles ins Internet gestellt. Ich muss jetzt sehen, wo ich den Draht zu Euch bekomme und werde den Kaffee dort trinken, wo es ihn inklusive gibt. Letztens habe ich mal einen Brief an meine Familie verschickt, einen echten aus Papier, das war vielleicht ein komisches Gefühl.
Montreal liegt auf einer Insel und mitten in der Stadt steht ein Berg, auf den ich heute mal geklettert bin. Dort oben gibt es Langlaufloipen, Schlittenbahnen und einen See mit Eisbahnen. Dort konnte ich mir Schlittschuhe leihen und ein paar Runden drehen.
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