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Unser Umzug von Calgary nach Edmonton
Edmonton, den 20.1.09 Edmonton, den 21.1.09 Wir hatten einen anstrengenden Tag und eine erfolgreiche Aufführung. So langsam glaube ich, dass das Publikum in ganz Alberta so positiv ist. Sie mögen unsere Aufführung. Es liegt vielleicht zum Teil auch daran, dass das Stück gut ist. Ich bin jedenfalls ziemlich geschafft, da ich um sieben aufgestanden bin und bis jetzt fast ohne Pause durchgearbeitet habe. Hier ist es jetzt elf Uhr, draußen kommt so langsam der heiß (kalt) erwartete Wetterumschwung und ich grüße alle, die in der Heimat auf unsere Rückkehr warten. In erster Linie gilt es an dieser Stelle mal einen Gruß an unsere BüromitarbeiterInnen zu senden, die leider nicht mitfahren konnten, aber zu Hause alles so perfekt organisieren, sodass wir gerne wiederkommen. Grüße auch an alle Lebensgefährten und Kinder, Eltern und Verwandte und gute Nacht allen. Morgen muss ich schon wieder einen Vortrag in englischer Sprache halten.
Edmonton, den 22.1.09 Siegmar Edmonton, den 24.1.09 Ich sehe mit Schrecken, wie die Zeit dahinsaust und muss noch nachholen, dass auch in Edmonton die dritte Aufführung die beste war. Man spielt sich dann doch auf den neuen Raum ein. Und dazu habe ich am letzten Tag auch noch einen wunderbaren Workshop leiten dürfen. Die Teilnehmer kamen aus der „Masterclass“ und waren zum großen Teil angehende SchauspielerInnen. Für deutsche und europäische Verhältnisse ist es einfach nicht vorstellbar, mit welcher Energie, Hingabe und Motivation diese Teilnehmer zu Werke gingen. Diese sechs Stunden vergingen wie im Rausch, ich fühlte mich um 25 Jahre zurückversetzt, denn zu der Zeit gab es auch noch diesen Enthusiasmus in Deutschland, der die ganze Entwicklung der freien Szene erst möglich machte. Die Workshopteilnehmer verlangten nach grenzüberschreitender expressiver Körperarbeit und so habe ich Übungen vorgemacht, die ich Jahrzehnte nicht mehr praktiziere, aber das Körpergedächtnis ist erstaunlich gut. Die Erfahrung mit dieser nördlichsten Millionenstadt in Nordamerika bestätigten weiterhin, dass es ein großes Bedürfnis nach innovativen Theaterformen gibt und dass im Bereich der Schauspielausbildung geradezu ein Heißhunger des Lehrkörpers und der Studenten auf diese sehr körperbetonte Arbeit besteht. Wir machen ja auch bei vielen Gastspielen in Europa die Erfahrung, dass wir international anerkannt sind und können dadurch besser einschätzen, wo wir national, regional und kommunal stehen. Aber gerade, weil in der Heimat die Arbeit um die Anerkennung so hart ist (und auch nach 25 Jahren nicht leichter geworden ist) genießen wir es hier so sehr, dass immer wieder fremde Leute auf uns zugehen und sagen, dass sie die Aufführung so toll fanden. Die persönliche Erfahrung mit arktischer Luft war auch interessant, zumal sich immer ein warmes Cafè oder anderes Gebäude in der Nähe befand. Aber es war immer ungewohnt, wenn ich nach 10 Minuten Spaziergang bereits meine Arme schlechter bewegen konnte, da sich nämlich die Außenschicht meiner Jacke verhärtete und merkwürdige Geräusche produzierte, nach weiteren zehn Minuten fingen dann die Augenwimpern an, zu vereisen, man muss dann immer so ein bisschen klimpern, damit sie nicht verkleben. Um ein Photo zu machen, geht man folgendermaßen vor. Jacke möglichst noch mit angezogenen Fellhandschuhen öffnen und Kamera aus Innentasche ziehen (Dort hat sie eine geringe Chance für einige Photos zu funktionieren), Handschuh ausziehen, Photo machen, Kamera einpacken und schnell wieder Handschuh an. Einmal machte ich den Fehler, zwei Photos zu schnell hintereinander zu machen, was ich dann mit schmerzenden Händen bezahlen musste. Man verliert ein bisschen das Gefühl für Unterkühlung, weil man die ganze Zeit damit beschäftigt ist, beim Einatmen die Luft vorzuwärmen und nicht zu schnell einzuatmen. Aber aus den Erzählungen der Einheimischen wissen wir, dass das alles nur läppisch war, denn wenn es wirklich kalt ist, schüttet man ein Glas Wasser in die Luft und es landet ein unförmiger Eisklumpen auf dem Boden( Die arktische Form des Bleigießens). Ich musste übrigens mit Enttäuschung feststellen - so wird in Wikepedia behauptet - dass Edmonton auf der gleichen geographischen Breite wie Hamburg liegen soll. In Calgary wieder angekommen, haben sich die -15°C schon warm angefühlt, Ich habe meine Fellmütze wieder gegen Baumwolle getauscht. Und der Chinook soll die Temperaturen wieder in den Plusbereich befördern.
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